Kontakt zu maexware solutions

Hast Du Fragen, möchtest ein erstes Kennenlernen vereinbaren oder hast bereits konkrete Pläne? Du kannst Dich jederzeit unverbindlich an uns wenden.

Telefon: 0 76 41 - 948 77 68
Email: info@maexware-solutions.de

über Kontaktformular:

Mit Absenden des Kontaktformulars erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Deine Daten zur Bearbeitung Deines Anliegens verwendet werden. Weitere Informationen kannst Du der Datenschutzerklärung entnehmen.

ERP-Einführung Checkliste: Schritt für Schritt bis zum Go-live

- Ing. Jozef Nano

Eine ERP-Einführung betrifft nicht nur die Einführung einer neuen Software. Prozesse, Daten, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, Tests, Schulungen und der spätere Go-live müssen so vorbereitet werden, dass das neue ERP-System im Unternehmensalltag sinnvoll eingesetzt werden kann.

Gerade bei umfangreicheren ERP-Projekten entstehen Schwierigkeiten oft nicht an einer einzelnen Stelle. Anforderungen sind noch nicht vollständig geklärt, Stammdaten müssen bereinigt werden, Schnittstellen zu Shop, CRM oder Warenwirtschaft fehlen, Testfälle sind nicht vorbereitet oder wichtige Mitarbeitende werden zu spät einbezogen.

Eine ERP-Einführung Checkliste hilft dabei, solche Themen früh sichtbar zu machen und die wichtigsten Aufgaben Schritt für Schritt einzuordnen. Sie ersetzt keinen individuellen Projektplan, bietet aber eine praktische Orientierung von der Projektvorbereitung über Datenmigration und Tests bis zum Go-live und zur anschließenden Stabilisierung.

In diesem Artikel zeigen wir, welche Punkte Unternehmen bei einer ERP-Einführung prüfen sollten, welche Aufgaben vor dem Produktivstart wichtig sind und an welchen Stellen eine strukturierte ERP-Einführung besonders viel Abstimmung erfordert.

ERP-Einführung Checkliste: Was vor dem Projektstart geklärt sein sollte

Eine ERP-Einführung beginnt nicht erst mit Installation, Konfiguration oder Datenmigration. Bevor die eigentliche Umsetzung startet, sollte geklärt sein, welche Ziele das Projekt verfolgt, welche Unternehmensbereiche betroffen sind und welche Prozesse mit dem neuen ERP-System abgebildet oder verbessert werden sollen.

Fehlt diese Grundlage, werden wichtige Entscheidungen häufig erst während der Umsetzung getroffen. Das kann dazu führen, dass Anforderungen nachträglich ergänzt werden, Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder einzelne Fachbereiche mit unterschiedlichen Erwartungen in das Projekt starten.

Vor dem Projektstart sollten deshalb mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

  • Projektziel: Welche konkreten Probleme oder Anforderungen soll die ERP-Einführung adressieren?
  • Projektumfang: Welche Gesellschaften, Standorte, Abteilungen und Prozesse gehören zum ersten Projektumfang?
  • Systemlandschaft: Welche bestehenden Systeme bleiben bestehen und welche sollen ersetzt, angebunden oder später abgelöst werden?
  • Verantwortlichkeiten: Wer trifft fachliche und technische Entscheidungen im Projekt?
  • Daten: Welche Stamm- und Bewegungsdaten müssen übernommen, bereinigt oder neu strukturiert werden?
  • Schnittstellen: Welche Systeme wie Shop, CRM, Warenwirtschaft, PIM, Buchhaltung oder weitere Anwendungen müssen berücksichtigt werden?
  • Go-live-Ziel: Gibt es einen geplanten Zeitraum, saisonale Abhängigkeiten oder betriebliche Einschränkungen für den Produktivstart?

Wenn Anforderungen, Zielbild oder Systementscheidung noch nicht ausreichend geklärt sind, sollte dieser Schritt vor der eigentlichen Einführung abgeschlossen werden. Eine ERP Beratung für den Mittelstand kann dabei helfen, Prozesse, Anforderungen und Systemlandschaft vor der Umsetzung strukturiert einzuordnen.

Ist die grundlegende Entscheidung getroffen, beginnt die eigentliche Projektvorbereitung. Dann geht es darum, Ziele und Umfang so konkret festzulegen, dass Projektteam und Fachbereiche mit einem gemeinsamen Verständnis in die ERP-Einführung starten.

1. Ziele und Projektumfang der ERP-Einführung festlegen

Ein klar definierter Projektumfang gehört zu den wichtigsten Grundlagen einer ERP-Einführung. Unternehmen sollten früh festlegen, welche Prozesse, Abteilungen, Standorte und Systeme im ersten Schritt berücksichtigt werden und welche Themen bewusst später folgen.

Zu große Projekte werden schnell unübersichtlich, wenn gleichzeitig Vertrieb, Einkauf, Lager, Buchhaltung, E-Commerce, Produktion, CRM, Warenwirtschaft und weitere Anwendungen neu organisiert werden sollen. Umgekehrt kann ein zu eng gefasster Projektumfang dazu führen, dass wichtige Abhängigkeiten erst später sichtbar werden.

Deshalb sollte der Scope nicht nur aus einer Liste von Modulen bestehen. Entscheidend ist, welche Geschäftsprozesse im neuen ERP abgebildet werden sollen und welche Auswirkungen das auf Daten, Mitarbeitende und angebundene Systeme hat.

  • Ziele definieren: Welche konkreten Verbesserungen oder fachlichen Anforderungen sollen mit der ERP-Einführung erreicht werden?
  • Prozesse priorisieren: Welche Abläufe müssen zum Go-live funktionieren und welche können in einer späteren Phase umgesetzt werden?
  • Fachbereiche einbeziehen: Welche Abteilungen sind direkt oder indirekt vom neuen ERP-System betroffen?
  • Standorte und Gesellschaften festlegen: Wird das ERP zunächst in einem Bereich eingeführt oder direkt unternehmensweit ausgerollt?
  • Bestehende Systeme einordnen: Welche Anwendungen bleiben bestehen, welche werden angebunden und welche sollen ersetzt werden?
  • Abgrenzungen dokumentieren: Welche Anforderungen gehören ausdrücklich nicht in den ersten Projektumfang?

Gerade diese Abgrenzung ist wichtig. Nicht jede sinnvolle Verbesserung muss gleichzeitig mit dem ERP-Go-live umgesetzt werden. Ein klarer Projektumfang hilft dabei, Prioritäten nachvollziehbar zu setzen und das Projektteam auf die Aufgaben zu konzentrieren, die für den Produktivstart wirklich relevant sind.

Die Ziele und der Projektumfang sollten deshalb nicht nur einmal zu Beginn festgelegt, sondern im weiteren Projektverlauf regelmäßig gegen neue Anforderungen geprüft werden. So bleibt erkennbar, ob eine neue Anforderung zum vereinbarten Scope gehört oder als separate Erweiterung behandelt werden sollte.

2. Projektteam, Rollen und Entscheidungen organisieren

Eine ERP-Einführung betrifft meist mehrere Fachbereiche gleichzeitig. Vertrieb, Einkauf, Lager, Buchhaltung, IT, E-Commerce oder Geschäftsführung bringen unterschiedliche Anforderungen und Perspektiven in das Projekt ein. Damit daraus keine parallelen Einzelentscheidungen entstehen, sollten Rollen und Verantwortlichkeiten früh geklärt werden.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen fachlicher Verantwortung, technischer Umsetzung und Projektsteuerung. Nicht jede Entscheidung sollte von derselben Person getroffen werden. Fachbereiche müssen Anforderungen bewerten, die Projektleitung behält Termine und Abhängigkeiten im Blick und technische Beteiligte prüfen, wie Prozesse, Daten und Schnittstellen umgesetzt werden können.

  • Projektleitung: Wer koordiniert Aufgaben, Entscheidungen, Termine und offene Punkte?
  • Fachverantwortliche: Wer entscheidet über Anforderungen in Vertrieb, Einkauf, Lager, Buchhaltung oder weiteren Bereichen?
  • Key User: Welche Mitarbeitenden kennen die tatsächlichen Abläufe und können Prozesse, Tests und Schulungen fachlich begleiten?
  • Technische Verantwortung: Wer bewertet Datenmigration, Schnittstellen, bestehende Systeme und technische Abhängigkeiten?
  • Entscheidungswege: Wer entscheidet bei widersprüchlichen Anforderungen oder wenn sich Projektumfang und Prioritäten ändern?
  • Freigaben: Wer gibt Prozesse, Daten, Tests und schließlich den Go-live frei?

Key User spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Sie kennen nicht nur die offiziellen Prozessbeschreibungen, sondern auch Sonderfälle, manuelle Arbeitsschritte und praktische Abhängigkeiten im Tagesgeschäft. Werden sie erst kurz vor der Schulung oder dem Go-live eingebunden, können wichtige Anforderungen und Ausnahmefälle zu spät sichtbar werden.

Auch Entscheidungswege sollten nicht nur informell funktionieren. Wenn beispielsweise zwei Fachbereiche unterschiedliche Anforderungen an denselben ERP-Prozess haben, muss klar sein, wer die Entscheidung vorbereitet und wer sie verbindlich trifft. Das reduziert lange Abstimmungsschleifen und macht Projektentscheidungen nachvollziehbarer.

Eine einfache Rollenübersicht mit Verantwortlichen für Prozesse, Daten, Schnittstellen, Tests und Freigaben reicht oft schon aus, um viele offene Fragen sichtbar zu machen. Entscheidend ist weniger ein kompliziertes Rollenmodell als die Klarheit darüber, wer im Projekt wofür zuständig ist.

3. Prozesse und Anforderungen vor der Umsetzung prüfen

Bevor ein ERP-System konfiguriert oder angepasst wird, sollten die wichtigsten Geschäftsprozesse fachlich verstanden und die Anforderungen nachvollziehbar dokumentiert sein. Dabei geht es nicht darum, jeden bestehenden Ablauf unverändert in das neue ERP zu übertragen. Vielmehr sollte geprüft werden, welche Prozesse sinnvoll sind, wo Medienbrüche bestehen und welche Anforderungen für den späteren Betrieb tatsächlich notwendig sind.

Besonders relevant sind die Abläufe, die mehrere Fachbereiche oder Systeme miteinander verbinden. Ein Verkaufsprozess kann beispielsweise Vertrieb, Lager, Buchhaltung, Versand, Shop und ERP betreffen. Werden solche Abhängigkeiten erst während der Umsetzung sichtbar, kann zusätzlicher Abstimmungs- und Anpassungsbedarf entstehen.

  • Kernprozesse erfassen: Welche Abläufe in Vertrieb, Einkauf, Lager, Buchhaltung, Produktion oder Service müssen im ERP unterstützt werden?
  • Ist-Prozesse hinterfragen: Welche manuellen Schritte, Tabellen, Exporte oder Zwischenlösungen sind heute notwendig und warum?
  • Soll-Prozesse definieren: Wie sollen die wichtigsten Abläufe nach der ERP-Einführung funktionieren?
  • Pflichtanforderungen priorisieren: Welche Funktionen sind für den Go-live notwendig und welche können später umgesetzt werden?
  • Sonderfälle berücksichtigen: Welche Ausnahmen treten im Tagesgeschäft regelmäßig auf?
  • Systemgrenzen klären: Welche Aufgaben soll das ERP übernehmen und welche bleiben bewusst in CRM, Shop, Warenwirtschaft, PIM oder anderen Anwendungen?

Gerade bei bestehenden Prozessen lohnt sich ein kritischer Blick auf manuelle Zwischenlösungen. Wenn beispielsweise Daten regelmäßig aus einem System exportiert, in Excel korrigiert und anschließend wieder importiert werden, sollte geklärt werden, welche fachliche Aufgabe hinter diesem Schritt steckt. Nicht jede bestehende Arbeitsweise sollte automatisch Bestandteil des neuen ERP-Prozesses werden.

Die Anforderungen sollten außerdem so beschrieben sein, dass Fachbereiche und technische Beteiligte dasselbe Verständnis davon haben. Statt einer allgemeinen Vorgabe wie „Bestellungen automatisieren“ ist es hilfreicher festzuhalten, wann eine Bestellung entsteht, welche Daten benötigt werden, welche Prüfungen stattfinden und welche Systeme beteiligt sind.

Wenn Prozesse und Anforderungen noch grundlegend analysiert oder das ERP-Zielbild erst entwickelt werden müssen, liegt dieser Schritt noch vor der eigentlichen Umsetzung. In diesem Fall kann eine ERP Beratung helfen, Anforderungen und Systemrollen vor der Einführung strukturiert zu klären.

4. Stammdaten und Datenmigration vorbereiten

Die Datenmigration gehört zu den Bereichen einer ERP-Einführung, die früh vorbereitet werden sollten. Entscheidend ist nicht nur, welche Daten technisch übertragen werden können, sondern welche Daten im neuen ERP tatsächlich benötigt werden und in welcher Qualität sie vorliegen.

Bestehende ERP-Systeme, Warenwirtschaft, CRM, Excel-Dateien oder andere Anwendungen enthalten häufig Datenbestände, die über Jahre gewachsen sind. Dazu können Dubletten, veraltete Adressen, unvollständige Artikelinformationen, nicht mehr verwendete Kunden oder unterschiedliche Schreibweisen gehören. Werden solche Daten ungeprüft übernommen, wandern bestehende Probleme direkt in das neue System mit.

Vor der Migration sollte deshalb geklärt werden, welche Stamm- und Bewegungsdaten übernommen werden sollen und welche historischen Informationen weiterhin benötigt werden.

  • Datenquellen erfassen: Aus welchen ERP-Systemen, Warenwirtschaften, CRM-Lösungen, Tabellen oder weiteren Anwendungen stammen die zu übernehmenden Daten?
  • Datenumfang festlegen: Welche Kunden, Artikel, Lieferanten, Preise, offene Vorgänge oder historischen Daten werden im neuen ERP benötigt?
  • Datenqualität prüfen: Gibt es Dubletten, unvollständige Pflichtfelder, veraltete Informationen oder widersprüchliche Zuordnungen?
  • Stammdaten bereinigen: Welche Daten sollten vor der Übernahme korrigiert, zusammengeführt oder nicht mehr migriert werden?
  • Zuordnungen klären: Wie werden bestehende Nummern, Kategorien, Einheiten, Kundengruppen oder andere Werte im neuen ERP abgebildet?
  • Testmigration einplanen: Wie wird vor dem Go-live geprüft, ob die vorgesehenen Daten vollständig und nachvollziehbar übernommen werden können?

Besonders bei Stammdaten sollte früh festgelegt werden, welche Informationen im neuen ERP führend gepflegt werden sollen. Kunden-, Artikel-, Lieferanten- oder Preis- und Konditionsdaten werden oft auch von CRM, Warenwirtschaft, Shop oder PIM genutzt. Deshalb ist nicht nur die Migration selbst relevant, sondern auch die künftige Rolle der beteiligten Systeme.

Eine Testmigration hilft dabei, Probleme vor dem eigentlichen Produktivstart sichtbar zu machen. Dabei sollte nicht nur geprüft werden, ob Datensätze technisch angekommen sind, sondern auch, ob Zuordnungen, Pflichtfelder und relevante Geschäftsprozesse mit den migrierten Daten funktionieren.

Wenn ein bestehendes ERP-System vollständig durch ein neues System ersetzt wird, wird aus diesem Teilprojekt schnell eine umfangreichere ERP Migration. In diesem Artikel bleibt die Datenmigration deshalb bewusst ein Bestandteil der gesamten ERP-Einführung und nicht das alleinige Projektthema.

5. Schnittstellen und angebundene Systeme erfassen

Eine ERP-Einführung betrifft selten nur das ERP-System selbst. In vielen Unternehmen sind weitere Anwendungen angebunden oder sollen auch nach dem Go-live weiter genutzt werden. Dazu können Online-Shop, CRM, Warenwirtschaft, PIM, Buchhaltung, Versand, EDI, Produktionssysteme oder individuelle Anwendungen gehören.

Deshalb sollte früh erfasst werden, welche Systeme Daten mit dem ERP austauschen und welche Prozesse von diesen Verbindungen abhängen. Entscheidend ist nicht nur, dass eine Schnittstelle existiert, sondern welche Daten übertragen werden, in welche Richtung sie fließen und welches System für bestimmte Informationen führend ist.

  • Systeme erfassen: Welche Anwendungen sind heute mit dem bestehenden ERP verbunden oder sollen an das neue ERP angebunden werden?
  • Datenbereiche definieren: Welche Informationen werden ausgetauscht, zum Beispiel Kunden, Artikel, Bestände, Preise, Aufträge, Belege oder Statusdaten?
  • Datenrichtung klären: Welche Daten kommen in das ERP und welche Informationen werden an andere Systeme weitergegeben?
  • Führende Systeme festlegen: Wo werden bestimmte Daten angelegt und gepflegt, und welches System hat bei Abweichungen Vorrang?
  • Sonderfälle berücksichtigen: Welche Ausnahmen, manuellen Eingriffe oder Abhängigkeiten bestehen heute?
  • Tests vorbereiten: Wie wird geprüft, ob Daten nicht nur technisch übertragen, sondern auch im Zielprozess richtig verarbeitet werden?

Gerade bestehende Schnittstellen sollten nicht automatisch unverändert in die neue Systemlandschaft übernommen werden. Eine Verbindung, die für das alte ERP sinnvoll war, kann beim neuen System andere Datenstrukturen, Abläufe oder Verantwortlichkeiten erfordern. Deshalb lohnt sich vor der Umsetzung eine fachliche Prüfung der bisherigen Datenflüsse.

Auch manuelle Exporte und Importe sollten in dieser Phase sichtbar gemacht werden. Wenn beispielsweise Bestellungen, Preise oder Artikelinformationen regelmäßig über CSV- oder Excel-Dateien zwischen Systemen bewegt werden, gehört dieser Ablauf ebenfalls zur Integrationslandschaft und sollte bei der ERP-Einführung berücksichtigt werden.

Wenn für das neue ERP individuelle technische Verbindungen erforderlich sind, kann eine ERP-Schnittstelle diese Systeme gezielt miteinander verbinden. Bei mehreren Datenquellen und komplexeren systemübergreifenden Abläufen ist außerdem die Datenintegration relevant. Für die ERP-Einführung selbst ist zunächst entscheidend, alle betroffenen Systeme, Datenbereiche und Abhängigkeiten vollständig zu erfassen.

6. ERP-Konfiguration und individuelle Anforderungen abstimmen

Wenn Prozesse, Daten und angebundene Systeme geklärt sind, beginnt die konkrete Ausgestaltung des ERP-Systems. Dabei sollte geprüft werden, welche Anforderungen mit Standardfunktionen abgebildet werden können und an welchen Stellen Konfiguration, Erweiterungen oder individuelle Anpassungen notwendig sind.

Gerade in dieser Phase besteht die Gefahr, bestehende Sonderlösungen ungeprüft in das neue ERP zu übertragen. Nicht jede individuelle Arbeitsweise aus dem Altsystem muss im neuen System erneut umgesetzt werden. Oft lohnt es sich, Prozesse zu vereinfachen oder stärker am ERP-Standard auszurichten, wenn dadurch weniger Pflege- und Anpassungsaufwand entsteht.

  • Standardfunktionen prüfen: Welche Anforderungen lassen sich mit vorhandenen ERP-Funktionen abbilden?
  • Konfiguration festlegen: Welche Einstellungen, Rollen, Felder, Nummernkreise, Belegarten oder Freigaben müssen eingerichtet werden?
  • Abweichungen dokumentieren: Wo reicht der Standard nicht aus und welche fachliche Anforderung steht dahinter?
  • Individuelle Anpassungen bewerten: Welche Erweiterungen sind für den Go-live wirklich notwendig und welche können später umgesetzt werden?
  • Berechtigungen berücksichtigen: Welche Rollen dürfen Daten sehen, bearbeiten, freigeben oder korrigieren?
  • Abhängigkeiten prüfen: Welche Konfiguration wirkt sich auf Datenmigration, Schnittstellen, Tests oder nachgelagerte Prozesse aus?

Individuelle Anpassungen sollten immer auf einer klaren fachlichen Anforderung beruhen. Wenn eine Erweiterung nur deshalb notwendig erscheint, weil ein alter Prozess seit Jahren auf eine bestimmte Weise funktioniert, lohnt sich zunächst die Frage, ob dieser Ablauf im neuen ERP tatsächlich unverändert benötigt wird.

Gleichzeitig sollten notwendige Besonderheiten nicht unterschätzt werden. B2B-Preislogiken, spezielle Freigaben, individuelle Belege, besondere Lagerprozesse oder unternehmensspezifische Abläufe können für den Betrieb entscheidend sein. Solche Anforderungen sollten früh dokumentiert und vor dem Go-live mit realistischen Szenarien getestet werden.

Das Ziel ist nicht, möglichst viel individuell zu entwickeln oder umgekehrt jeden Prozess in einen Standard zu zwingen. Entscheidend ist eine nachvollziehbare Abwägung: Welche Funktionen sind für den Produktivstart notwendig, welche Anpassungen bringen einen klaren fachlichen Nutzen und welche Erweiterungen können bewusst in eine spätere Projektphase verschoben werden?

7. Testfälle und Abnahme vorbereiten

Tests sollten bei einer ERP-Einführung nicht erst kurz vor dem Go-live beginnen. Je früher feststeht, welche Prozesse, Daten und Schnittstellen geprüft werden müssen, desto besser lassen sich Testfälle vorbereiten und offene Punkte rechtzeitig erkennen.

Wichtig ist, nicht nur einzelne Funktionen zu testen. Entscheidend sind reale Geschäftsabläufe: Ein Auftrag beginnt beispielsweise bei einem Kunden oder Vertriebsvorgang, greift auf Artikel- und Preisdaten zu, kann Lager und Versand betreffen und endet möglicherweise mit Rechnung und Buchhaltung. Solche durchgängigen Szenarien zeigen besser, ob das Zusammenspiel im neuen ERP funktioniert.

  • Kernprozesse testen: Welche Abläufe sollten vor dem Go-live vollständig durchgespielt werden?
  • Realistische Testdaten nutzen: Sind Kunden, Artikel, Preise, Lieferanten und weitere Daten so vorbereitet, dass echte Szenarien abgebildet werden können?
  • Schnittstellen einbeziehen: Werden Shop, CRM, Warenwirtschaft, PIM, Buchhaltung oder weitere Systeme in den Testfällen berücksichtigt?
  • Sonderfälle prüfen: Was passiert bei Stornierungen, Retouren, Teilmengen, Preisabweichungen, fehlenden Daten oder anderen Ausnahmen?
  • Berechtigungen testen: Können Nutzer nur die vorgesehenen Daten sehen und Aktionen ausführen?
  • Fehler dokumentieren: Werden Abweichungen nachvollziehbar erfasst, priorisiert und nach einer Korrektur erneut getestet?
  • Abnahme definieren: Wer entscheidet, ob ein Prozess ausreichend getestet und für den Produktivbetrieb freigegeben ist?

Besonders hilfreich sind End-to-End-Tests, bei denen ein kompletter Geschäftsprozess von Anfang bis Ende durchgespielt wird. So lässt sich beispielsweise prüfen, ob ein Auftrag mit den richtigen Kunden-, Artikel- und Preisdaten entsteht, korrekt weiterverarbeitet wird und die vorgesehenen Folgeprozesse auslöst.

Neben dem Normalfall sollten auch bewusst Fehler- und Ausnahmefälle getestet werden. Ein System kann im Tagesgeschäft nur dann sinnvoll bewertet werden, wenn bekannt ist, wie es sich bei unvollständigen Daten, ungültigen Zuordnungen oder unterbrochenen Schnittstellen verhält.

Die Abnahme sollte ebenfalls nicht nur technisch erfolgen. Fachverantwortliche und Key User sollten beurteilen, ob die getesteten Prozesse den vereinbarten Anforderungen entsprechen und im Arbeitsalltag nutzbar sind. Erst wenn kritische Prozesse, Daten und Schnittstellen ausreichend geprüft wurden, sollte der Go-live vorbereitet werden.

8. Schulung und Key User einplanen

Ein neues ERP-System kann technisch gut vorbereitet sein und trotzdem im Arbeitsalltag Probleme verursachen, wenn Mitarbeitende zu spät oder zu allgemein auf die neuen Abläufe vorbereitet werden. Schulungen sollten deshalb nicht erst unmittelbar vor dem Go-live als einzelner Termin eingeplant werden.

Besonders wichtig sind Key User aus den betroffenen Fachbereichen. Sie kennen die täglichen Prozesse, typische Sonderfälle und praktische Anforderungen und können gleichzeitig als Verbindung zwischen Projektteam und späteren Anwendern dienen. Werden Key User früh eingebunden, können sie Tests begleiten, offene Fragen erkennen und Wissen innerhalb ihrer Abteilung weitergeben.

  • Zielgruppen festlegen: Welche Mitarbeitenden arbeiten mit welchen ERP-Funktionen und benötigen entsprechend unterschiedliche Schulungsinhalte?
  • Key User bestimmen: Welche Personen kennen die Prozesse besonders gut und können Tests, Schulungen und die Einführungsphase fachlich begleiten?
  • Rollenbezogen schulen: Vertrieb, Einkauf, Lager, Buchhaltung oder andere Bereiche sollten genau die Funktionen und Prozesse kennenlernen, die sie im Alltag benötigen.
  • Mit realistischen Fällen arbeiten: Schulungen sollten typische Geschäftsvorgänge und relevante Sonderfälle aus dem Unternehmen abbilden.
  • Dokumentation vorbereiten: Welche Anleitungen, Prozessbeschreibungen oder kurzen Hilfestellungen werden nach dem Go-live benötigt?
  • Fragen und Feedback sammeln: Welche Unklarheiten entstehen bei Tests und Schulungen und müssen vor dem Produktivstart noch geklärt werden?

Eine Schulung sollte dabei nicht nur zeigen, wo sich eine bestimmte Funktion im ERP befindet. Wichtiger ist zu verstehen, wie der jeweilige Arbeitsprozess im neuen System abläuft: Welche Daten werden benötigt? Welche Schritte folgen aufeinander? Wer ist für Freigaben zuständig? Und was soll passieren, wenn ein Sonderfall auftritt?

Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Werden Mitarbeitende zu früh geschult, können Inhalte bis zum Go-live wieder verloren gehen oder sich durch weitere Anpassungen verändern. Erfolgt die Schulung dagegen erst unmittelbar vor dem Produktivstart, bleibt wenig Zeit für Rückfragen und notwendige Korrekturen.

Key User sollten deshalb bereits während der Testphase mit dem System arbeiten und vor dem Go-live ausreichend Zeit bekommen, typische Abläufe selbst durchzuspielen. So kann die Schulung gleichzeitig ein weiterer Praxistest dafür sein, ob Prozesse und Bedienung im Unternehmensalltag nachvollziehbar vorbereitet sind.

9. Go-live und Cutover vorbereiten

Der Go-live ist der Zeitpunkt, an dem das neue ERP-System in den produktiven Betrieb übergeht. Damit dieser Wechsel nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch vorbereitet ist, sollten offene Aufgaben, Datenübernahmen, Verantwortlichkeiten, Zeitfenster und mögliche Einschränkungen vorab geklärt werden.

Besonders wichtig ist die Frage, wie der Übergang vom bisherigen System auf das neue ERP erfolgt. Je nach Projekt kann es notwendig sein, Daten kurz vor dem Produktivstart noch einmal zu aktualisieren, offene Aufträge zu übernehmen, Schnittstellen umzuschalten oder bestimmte Prozesse für einen begrenzten Zeitraum einzuschränken.

  • Go-live-Termin festlegen: Ist der gewählte Zeitpunkt mit Geschäftsbetrieb, Saison, Monatsabschluss oder anderen betrieblichen Abhängigkeiten vereinbar?
  • Offene Punkte prüfen: Welche Fehler, Anforderungen oder Aufgaben müssen zwingend vor dem Produktivstart abgeschlossen sein?
  • Datenübernahme vorbereiten: Welche Daten werden kurz vor dem Go-live noch einmal aktualisiert oder final übernommen?
  • Schnittstellen umstellen: Wann werden angebundene Systeme auf das neue ERP umgestellt und wie wird die korrekte Datenübergabe geprüft?
  • Verantwortlichkeiten festlegen: Wer ist während des Go-live für Daten, Prozesse, Schnittstellen, Fachfragen und technische Probleme erreichbar?
  • Kommunikation vorbereiten: Welche Mitarbeitenden, Standorte oder externen Partner müssen über den Produktivstart und mögliche Einschränkungen informiert werden?
  • Rückfalloptionen bewerten: Welche Vorgehensweise ist vorgesehen, wenn ein kritischer Prozess zum geplanten Zeitpunkt nicht produktiv genutzt werden kann?

Ein Cutover-Plan hilft dabei, die letzten Schritte vor dem Produktivstart zeitlich und organisatorisch zu ordnen. Dazu können beispielsweise letzte Datenimporte, Systemprüfungen, das Beenden von Buchungen im Altsystem, die Aktivierung neuer Schnittstellen oder die Freigabe einzelner Fachbereiche gehören.

Dabei sollte zwischen kritischen und weniger kritischen offenen Punkten unterschieden werden. Nicht jede kleinere Anpassung muss den Go-live verhindern. Prozesse, die für Auftragsbearbeitung, Lager, Rechnungen, Zahlungsabwicklung oder andere zentrale Abläufe notwendig sind, sollten dagegen vor dem Produktivstart ausreichend geprüft und freigegeben sein.

Wird im Rahmen der ERP-Einführung ein bestehendes Altsystem vollständig abgelöst, kann die Cutover-Planung deutlich umfangreicher werden. Die detaillierte Vorbereitung eines solchen Systemwechsels gehört zur ERP Migration. Für die ERP-Einführung selbst ist entscheidend, dass der Übergang zum Produktivbetrieb mit klaren Aufgaben, Zuständigkeiten und Prüfpunkten vorbereitet wird.

10. Stabilisierung nach dem Go-live organisieren

Mit dem Go-live beginnt die produktive Nutzung des neuen ERP-Systems. Gerade in den ersten Tagen und Wochen werden jedoch häufig Fragen, kleinere Fehler, fehlende Berechtigungen oder unklare Abläufe sichtbar, die während der Tests nicht vollständig erkannt wurden. Deshalb sollte die Phase nach dem Produktivstart bereits vor dem Go-live vorbereitet werden.

Wichtig ist, zwischen kritischen Problemen und normalen Anlaufschwierigkeiten zu unterscheiden. Nicht jede Rückfrage bedeutet, dass das ERP-Projekt fehlerhaft umgesetzt wurde. Neue Prozesse, geänderte Zuständigkeiten und eine ungewohnte Systembedienung brauchen oft eine kurze Eingewöhnungsphase. Kritische Fehler in Auftragsbearbeitung, Lager, Rechnungen, Datenmigration oder Schnittstellen sollten dagegen schnell priorisiert und bearbeitet werden.

  • Ansprechpartner festlegen: An wen wenden sich Mitarbeitende bei fachlichen Fragen, technischen Problemen oder fehlenden Berechtigungen?
  • Probleme priorisieren: Welche Fehler beeinträchtigen zentrale Geschäftsprozesse und welche Punkte können nachgelagert bearbeitet werden?
  • Daten kontrollieren: Werden Kunden, Artikel, Preise, Belege und weitere relevante Daten im Produktivbetrieb wie vorgesehen verarbeitet?
  • Schnittstellen beobachten: Werden Daten zwischen ERP, Shop, CRM, Warenwirtschaft, PIM oder weiteren Systemen wie erwartet übergeben?
  • Key User einbinden: Welche Fragen treten in den Fachbereichen wiederholt auf und wo sind zusätzliche Erklärungen oder Anpassungen sinnvoll?
  • Offene Punkte sammeln: Welche nicht kritischen Erweiterungen oder Optimierungen wurden bewusst auf die Zeit nach dem Go-live verschoben?

Gerade in dieser Phase sollten Probleme nachvollziehbar dokumentiert werden. Wenn dieselbe Frage in mehreren Abteilungen auftritt oder ein bestimmter Prozess wiederholt manuell korrigiert werden muss, kann das auf Schulungsbedarf, eine unklare Prozessdefinition oder eine notwendige Systemanpassung hinweisen.

Auch die ursprünglichen Projektziele sollten nach dem Go-live erneut betrachtet werden. Funktionieren die wichtigsten Geschäftsprozesse wie vorgesehen? Werden manuelle Zwischenlösungen tatsächlich reduziert? Sind Verantwortlichkeiten klarer geworden? Und gibt es Anforderungen, die erst nach einigen Wochen im produktiven Betrieb sinnvoll bewertet werden können?

Eine ERP-Einführung sollte deshalb nicht mit dem ersten erfolgreichen Arbeitstag im neuen System als abgeschlossen betrachtet werden. Eine geplante Stabilisierungsphase schafft Raum, offene Punkte strukturiert zu bearbeiten und das ERP schrittweise in den regulären Unternehmensbetrieb zu überführen.

ERP-Einführung Checkliste kompakt

Die folgenden Punkte fassen die wichtigsten Aufgaben einer ERP-Einführung kompakt zusammen. Je nach Unternehmen, Systemlandschaft und Projektumfang können weitere Anforderungen hinzukommen, die Grundstruktur bleibt jedoch meist ähnlich.

Bereich Wichtige Prüfpunkte
Projektziele Ziele, erwartete Verbesserungen und Projektumfang klar definieren.
Projektteam Projektleitung, Fachverantwortliche, Key User und technische Ansprechpartner benennen.
Prozesse Kernprozesse erfassen, Soll-Abläufe definieren und wichtige Sonderfälle berücksichtigen.
Anforderungen Pflichtanforderungen für den Go-live von späteren Erweiterungen unterscheiden.
Daten Datenquellen, Datenumfang, Stammdatenqualität und notwendige Bereinigungen prüfen.
Datenmigration Zuordnungen vorbereiten, Testmigration durchführen und relevante Daten kontrollieren.
Schnittstellen Angebundene Systeme, Datenrichtungen, führende Systeme und Abhängigkeiten erfassen.
ERP-Konfiguration Standardfunktionen, notwendige Einstellungen und begründete individuelle Anpassungen abstimmen.
Tests Kernprozesse, Daten, Berechtigungen, Schnittstellen und Sonderfälle mit realistischen Szenarien testen.
Abnahme Festlegen, wer Prozesse und Funktionen prüft und für den Produktivbetrieb freigibt.
Schulung Key User früh einbinden und Mitarbeitende rollen- und prozessbezogen vorbereiten.
Go-live Termin, offene Punkte, finale Datenübernahme, Systemumstellung und Verantwortlichkeiten vorbereiten.
Stabilisierung Ansprechpartner, Fehlerpriorisierung, Datenkontrollen und offene Optimierungen für die Zeit nach dem Go-live organisieren.

Die Checkliste sollte nicht als starre Reihenfolge verstanden werden. Viele Aufgaben laufen parallel oder beeinflussen sich gegenseitig. Datenmigration kann beispielsweise erst sinnvoll getestet werden, wenn relevante ERP-Strukturen vorbereitet sind, während Schnittstellentests wiederum passende Stamm- und Bewegungsdaten benötigen.

Hilfreich ist deshalb, jeden Punkt nicht nur als „erledigt“ oder „offen“ zu betrachten. Bei kritischen Themen sollte auch klar sein, wer verantwortlich ist, welche Abhängigkeiten bestehen und welche Voraussetzung für den Go-live erfüllt sein muss.

Wer die ERP-Einführung strukturiert vorbereiten und technische sowie fachliche Aufgaben gemeinsam betrachten möchte, findet auf unserer Seite zur ERP-Einführung im Mittelstand weitere Informationen zur Planung und Umsetzung eines ERP-Projekts.

Typische Fehler bei der ERP-Einführung vermeiden

Viele Probleme bei einer ERP-Einführung entstehen nicht durch einen einzelnen technischen Fehler, sondern durch mehrere ungeklärte Punkte, die sich im Projektverlauf gegenseitig verstärken. Unklare Anforderungen, zu spät vorbereitete Daten, fehlende Verantwortlichkeiten oder unvollständige Tests können dazu führen, dass wichtige Themen erst kurz vor dem Go-live sichtbar werden.

Eine Checkliste hilft deshalb nicht nur dabei, Aufgaben abzuhaken. Sie macht auch typische Schwachstellen früher sichtbar und schafft eine Grundlage dafür, Prioritäten, Abhängigkeiten und offene Entscheidungen nachvollziehbar zu steuern.

  • Projektumfang bleibt unklar: Neue Anforderungen werden laufend ergänzt, ohne zu prüfen, ob sie für den ersten Go-live wirklich notwendig sind.
  • Fachbereiche werden zu spät eingebunden: Wichtige Sonderfälle oder praktische Anforderungen werden erst während Tests oder Schulungen erkannt.
  • Datenmigration wird unterschätzt: Dubletten, fehlende Pflichtfelder oder unklare Zuordnungen werden erst kurz vor dem Produktivstart sichtbar.
  • Schnittstellen werden isoliert betrachtet: Technische Verbindungen werden umgesetzt, ohne die dahinterliegenden Datenflüsse und Geschäftsprozesse ausreichend zu prüfen.
  • Nur der Normalfall wird getestet: Stornierungen, Retouren, Teilmengen, Preisabweichungen oder andere Sonderfälle bleiben unberücksichtigt.
  • Schulungen kommen zu spät: Mitarbeitende haben vor dem Go-live zu wenig Zeit, neue Abläufe praktisch zu erproben.
  • Der Go-live gilt als Projektende: Für die ersten produktiven Wochen sind keine klaren Ansprechpartner, Prioritäten oder Prozesse für offene Punkte vorgesehen.

Diese Fehler lassen sich nicht in jedem Projekt vollständig vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, kritische Themen früh zu erkennen und bewusst zu behandeln. Ein offener Punkt ist deutlich leichter zu steuern, wenn klar ist, welche Auswirkungen er hat, wer dafür verantwortlich ist und ob er den Go-live tatsächlich beeinflusst.

Besonders riskant wird es, wenn mehrere dieser Punkte gleichzeitig auftreten. Unbereinigte Daten treffen dann beispielsweise auf unvollständige Tests, während gleichzeitig Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege nicht eindeutig geregelt sind. Eine strukturierte ERP-Einführung hilft, solche Abhängigkeiten früher sichtbar zu machen und Schritt für Schritt zu bearbeiten.

Wann externe Unterstützung bei der ERP-Einführung sinnvoll ist

Nicht jede ERP-Einführung braucht in jedem Projektschritt externe Unterstützung. Viele Aufgaben können interne Projektteams und Fachbereiche selbst übernehmen, wenn Prozesse, Verantwortlichkeiten und technische Kompetenzen im Unternehmen ausreichend vorhanden sind.

Externe Unterstützung wird vor allem dann sinnvoll, wenn mehrere Themen gleichzeitig zusammenkommen: komplexe Datenmigration, zahlreiche Schnittstellen, unterschiedliche Fachbereiche, individuelle Anforderungen oder ein enger Go-live-Zeitraum. In solchen Situationen hilft eine zusätzliche technische und organisatorische Perspektive dabei, Abhängigkeiten früher sichtbar zu machen und offene Punkte strukturiert zu bearbeiten.

Typische Situationen sind zum Beispiel:

  • Komplexe Systemlandschaft: ERP, CRM, Shop, Warenwirtschaft, PIM, Buchhaltung oder weitere Anwendungen müssen gemeinsam betrachtet werden.
  • Datenmigration mit mehreren Quellen: Kunden-, Artikel-, Lieferanten- oder Bewegungsdaten stammen aus verschiedenen Systemen und müssen vor der Übernahme geprüft werden.
  • Individuelle Schnittstellen: Bestehende oder neue Systeme müssen technisch mit dem ERP verbunden werden.
  • Unklare technische Abhängigkeiten: Es ist noch nicht ausreichend geklärt, welche Daten, Prozesse oder Anwendungen vom ERP-Wechsel betroffen sind.
  • Begrenzte interne Ressourcen: Key User und Fachverantwortliche können das Projekt begleiten, haben aber nicht ausreichend Kapazität für technische Konzeption, Umsetzung oder Tests.
  • Kritischer Go-live: Der Produktivstart betrifft zentrale Geschäftsprozesse und muss mit Datenmigration, Schnittstellen, Tests und Verantwortlichkeiten abgestimmt werden.

Wichtig ist, externe Unterstützung nicht erst dann einzubeziehen, wenn kurz vor dem Go-live Probleme auftreten. Je früher kritische Datenflüsse, Schnittstellen, Migrationsfragen oder technische Abhängigkeiten sichtbar werden, desto besser lassen sie sich in die Projektplanung einordnen.

maexware unterstützt Unternehmen bei der ERP-Einführung insbesondere dort, wo Prozesse, Daten und Systeme zusammenkommen. Dazu gehören unter anderem die technische Einordnung und Vorbereitung von Datenmigrationen, die Betrachtung bestehender Systemlandschaften, Schnittstellen zu Shop, CRM, Warenwirtschaft oder PIM sowie Tests und die Vorbereitung des Go-live.

Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Aufgaben extern zu vergeben. Ziel ist vielmehr, interne Fachkenntnis und externe technische Unterstützung so zu verbinden, dass Verantwortlichkeiten klar bleiben und die ERP-Einführung nachvollziehbar umgesetzt werden kann.

Häufige Fragen zur ERP-Einführung Checkliste

Was gehört auf eine ERP-Einführung Checkliste?

Eine ERP-Einführung Checkliste sollte unter anderem Projektziele, Verantwortlichkeiten, Prozesse, Anforderungen, Datenmigration, Schnittstellen, ERP-Konfiguration, Tests, Schulungen, Go-live und die Stabilisierungsphase nach dem Produktivstart berücksichtigen. Je nach Unternehmen können zusätzliche Anforderungen hinzukommen.

Welche Schritte gehören zu einer ERP-Einführung?

Typische Schritte sind Projektvorbereitung, Definition von Zielen und Projektumfang, Klärung von Prozessen und Anforderungen, Vorbereitung der Datenmigration, Erfassung von Schnittstellen, Konfiguration des ERP-Systems, Tests, Schulungen, Go-live und die anschließende Stabilisierung im Produktivbetrieb.

Wann sollte die Datenmigration vorbereitet werden?

Die Datenmigration sollte früh im ERP-Projekt vorbereitet werden. Unternehmen müssen klären, welche Daten übernommen werden sollen, aus welchen Quellen sie stammen und welche Dubletten, fehlenden Pflichtfelder oder veralteten Informationen vor der Migration bereinigt werden sollten. Eine Testmigration sollte vor dem eigentlichen Go-live eingeplant werden.

Welche Systeme und Schnittstellen müssen vor dem Go-live geprüft werden?

Geprüft werden sollten alle Anwendungen, die für relevante Geschäftsprozesse Daten mit dem ERP austauschen. Dazu können beispielsweise CRM, Online-Shop, Warenwirtschaft, PIM, Buchhaltung, Versandlösungen oder individuelle Anwendungen gehören. Wichtig sind dabei nicht nur die technischen Verbindungen, sondern auch Datenrichtung, Systemrollen und fachliche Verarbeitung.

Welche Rolle spielen Key User bei der ERP-Einführung?

Key User bringen die praktische Sicht der Fachbereiche in das Projekt ein. Sie kennen typische Abläufe und Sonderfälle, begleiten Tests, geben fachliches Feedback und können Mitarbeitende bei der Vorbereitung auf das neue ERP unterstützen. Deshalb sollten sie nicht erst kurz vor dem Go-live eingebunden werden.

Was sollte direkt nach dem ERP-Go-live passieren?

Nach dem Go-live sollten Ansprechpartner für fachliche und technische Fragen erreichbar sein, kritische Prozesse und Schnittstellen beobachtet und auftretende Probleme priorisiert werden. Gleichzeitig sollten Key User Rückmeldungen aus den Fachbereichen sammeln und offene Optimierungen für die Stabilisierungsphase dokumentieren.

Fazit: Mit einer klaren ERP-Einführung Checkliste strukturiert zum Go-live

Eine ERP-Einführung besteht aus vielen miteinander verbundenen Aufgaben. Projektziele, Prozesse, Daten, Schnittstellen, Rollen, Tests, Schulungen und der Go-live sollten deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Je früher Abhängigkeiten und offene Punkte sichtbar werden, desto besser lassen sich Entscheidungen und nächste Schritte im Projekt einordnen.

Eine ERP-Einführung Checkliste hilft dabei, die wichtigsten Themen systematisch zu prüfen und den Projektfortschritt nachvollziehbar zu strukturieren. Sie ersetzt keinen individuellen Projektplan, schafft aber eine praktische Grundlage dafür, kritische Aufgaben vor dem Produktivstart nicht aus dem Blick zu verlieren.

Besonders wichtig ist, fachliche und technische Themen gemeinsam zu betrachten. Datenmigration, Schnittstellen oder ERP-Konfiguration funktionieren nur dann sinnvoll, wenn Prozesse, Verantwortlichkeiten und Anforderungen ausreichend geklärt sind. Gleichzeitig sollten Tests, Key User und die Stabilisierungsphase nach dem Go-live von Anfang an mitgedacht werden.

Wenn Sie eine ERP-Einführung vorbereiten oder ein bestehendes Projekt technisch begleiten lassen möchten, unterstützt maexware bei der strukturierten Planung und Umsetzung von Datenmigration, Schnittstellen, Systemlandschaft, Tests und Go-live.

ERP-Einführung strukturiert vorbereiten?

Sie planen die Einführung eines neuen ERP-Systems und möchten Prozesse, Daten, Schnittstellen, Tests und Go-live frühzeitig aufeinander abstimmen? Erfahren Sie, wie maexware Unternehmen bei der technischen und organisatorischen Vorbereitung einer ERP-Einführung unterstützt.

Mehr zur ERP-Einführung im Mittelstand

maexware solutions