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Digitalisierung im Mittelstand: Checkliste für die Bestandsaufnahme

- Ing. Jozef Nano

Viele mittelständische Unternehmen möchten ihre Abläufe digitalisieren, wissen aber nicht genau, wo sie beginnen sollen. Bestellungen werden manuell übertragen, Daten mehrfach gepflegt und Informationen zwischen verschiedenen Systemen ausgetauscht. Gleichzeitig stehen neue Softwarelösungen, Schnittstellen und Automatisierungsmöglichkeiten zur Diskussion. Ohne einen klaren Überblick ist jedoch schwer zu erkennen, wo tatsächlicher Handlungsbedarf besteht.

Eine Digitalisierungs-Checkliste für den Mittelstand hilft dabei, die bestehende Situation systematisch zu erfassen. Statt sofort über neue Technologien zu entscheiden, prüfen Unternehmen zunächst ihre Geschäftsprozesse, eingesetzten Systeme, Datenquellen und internen Verantwortlichkeiten. So werden Schwachstellen, fehlende Verbindungen und organisatorische Voraussetzungen sichtbar.

Die folgende Checkliste zeigt, welche Fragen Unternehmen vor einem Digitalisierungsprojekt beantworten sollten. Sie bietet eine strukturierte Bestandsaufnahme, hilft bei der Einordnung des Handlungsbedarfs und schafft eine Grundlage für die nächsten Schritte. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Prozesse gleichzeitig zu digitalisieren, sondern die Ausgangssituation zu verstehen und Entscheidungen nachvollziehbar vorzubereiten.

Warum eine Digitalisierungs-Checkliste im Mittelstand sinnvoll ist

Eine Digitalisierungs-Checkliste schafft eine gemeinsame Grundlage für die Bewertung unterschiedlicher Unternehmensbereiche. Fachabteilungen können ihre Beobachtungen anhand derselben Fragen dokumentieren, statt Probleme ausschließlich aus ihrer eigenen Perspektive zu betrachten. Dadurch werden unterschiedliche Einschätzungen sichtbar und offene Fragen lassen sich gezielter klären.

Besonders hilfreich ist die Checkliste, wenn mehrere Digitalisierungswünsche gleichzeitig entstehen oder unterschiedliche Abteilungen neue Software und Funktionen benötigen. Sie schafft eine gemeinsame Informationsbasis, bevor über konkrete Projekte entschieden wird.

Die Bestandsaufnahme sollte vor allem drei Ergebnisse liefern:

  • Transparenz über den Ist-Zustand: Welche Prozesse, Anwendungen und Datenquellen sind vorhanden, und wie werden sie genutzt?

  • Erkennbarer Handlungsbedarf: Wo entstehen Fehler, Verzögerungen, doppelte Arbeit oder unklare Zuständigkeiten?

  • Nachvollziehbare Ausgangsbasis: Welche Erkenntnisse müssen vor der weiteren Planung geklärt oder vertieft werden?

Eine Digitalisierungs-Checkliste ersetzt keine detaillierte Prozessanalyse oder technische Bewertung. Sie hilft jedoch, die richtigen Fragen zu stellen und die Ergebnisse so zu dokumentieren, dass daraus konkrete nächste Schritte abgeleitet werden können.

Digitalisierung im Mittelstand: Die Checkliste im Überblick

Eine Digitalisierungs-Checkliste für den Mittelstand umfasst die Prüfung von Unternehmenszielen, Geschäftsprozessen, manuellen Arbeitsschritten, bestehenden Systemen, Schnittstellen und Datenqualität. Hinzu kommen Verantwortlichkeiten, Ressourcen, technische Voraussetzungen, Risiken und Messgrößen. Die folgende Checkliste mit elf Prüfbereichen hilft Unternehmen, ihren aktuellen Stand systematisch zu erfassen und offene Fragen vor der Planung konkreter Digitalisierungsmaßnahmen zu erkennen.

Gehen Sie die elf Prüfbereiche gemeinsam mit den zuständigen Fachabteilungen durch. Beantworten Sie jede Kontrollfrage mit „Ja“, „Teilweise“ oder „Nein“ und dokumentieren Sie Ihre Einschätzung separat. Die letzte Tabellenspalte zeigt, welche weiteren Prüfschritte bei fehlenden Informationen oder ungeklärten Voraussetzungen sinnvoll sein können. Bereits ausreichend geklärte Punkte erfordern keine zusätzliche Maßnahme.

Prüfbereich

Kontrollfrage

Möglicher nächster Prüfschritt

Unternehmensziele

Ist klar definiert, welche konkreten Probleme oder Ziele durch Digitalisierung adressiert werden sollen?

Ziele und erwartete Verbesserungen dokumentieren

Geschäftsprozesse

Sind die wichtigsten Abläufe und ihre einzelnen Arbeitsschritte bekannt?

Relevante Prozesse erfassen und dokumentieren

Manuelle Arbeit

Ist bekannt, wo Daten mehrfach eingegeben, kopiert oder manuell übertragen werden?

Wiederkehrende manuelle Schritte identifizieren

Bestehende Systeme

Gibt es einen aktuellen Überblick über eingesetzte Software, Anwendungen und ihre Aufgaben?

Systemlandschaft und Anwendungszwecke erfassen

Schnittstellen

Ist dokumentiert, welche Systeme Daten austauschen und wo Verbindungen fehlen?

Vorhandene und fehlende Schnittstellen festhalten

Datenqualität

Ist bekannt, ob geschäftskritische Daten vollständig, aktuell und widerspruchsfrei sind?

Datenquellen und erkennbare Qualitätsprobleme prüfen

Verantwortlichkeiten

Ist festgelegt, wer für Prozesse, Anwendungen und Daten zuständig ist?

Fehlende Zuständigkeiten klären

Ressourcen

Sind personelle Kapazitäten, Budgetrahmen und notwendige Kompetenzen bekannt?

Verfügbare Ressourcen und Engpässe erfassen

Technische Voraussetzungen

Sind relevante Systemgrenzen, Zugriffsrechte und technische Abhängigkeiten bekannt?

Technische Einschränkungen und Abhängigkeiten dokumentieren

Risiken

Sind erkennbare Risiken für Datenschutz, Datensicherheit und Betriebsabläufe erfasst?

Offene Risiken und erforderliche Prüfungen festhalten

Messgrößen

Ist bekannt, anhand welcher Kennzahlen spätere Verbesserungen beurteilt werden können?

Geeignete Ausgangswerte und Messgrößen bestimmen

So nutzen Sie die Checkliste für eine erste Bestandsaufnahme

Bewerten Sie jede Kontrollfrage danach, ob die jeweilige Information oder Voraussetzung bekannt, dokumentiert beziehungsweise erfüllt ist. Die Antworten beschreiben den Stand der Bestandsaufnahme und nicht automatisch die Qualität eines Geschäftsprozesses. Für die erste Bewertung genügen drei Antwortmöglichkeiten:

  • Ja: Der abgefragte Sachverhalt ist bekannt, nachvollziehbar dokumentiert oder die genannte Voraussetzung ist erfüllt.

  • Teilweise: Es liegen bereits Informationen vor, diese sind jedoch unvollständig oder noch nicht ausreichend überprüft.

  • Nein: Der Sachverhalt ist nicht bekannt, nicht ausreichend dokumentiert oder die genannte Voraussetzung ist nicht erfüllt. Halten Sie fest, welcher Fall zutrifft.

Halten Sie die Antworten beispielsweise in einer gemeinsamen Tabelle oder einem internen Dokument fest. Ergänzen Sie bei offenen Punkten, welche Informationen fehlen, welcher Fachbereich zuständig ist und welcher nächste Prüfschritt erforderlich wird. Die dritte Spalte der Checkliste dient dabei als Orientierung und muss nicht bei jedem Unternehmen zu einer Maßnahme führen.

Wenn mehrere Abteilungen einen Sachverhalt unterschiedlich bewerten, sollten die jeweiligen Einschätzungen zunächst getrennt dokumentiert und anschließend gemeinsam geklärt werden. So gehen wichtige Hinweise nicht verloren.

Die Checkliste ist keine automatische Bewertung des Digitalisierungsgrads. Ein mit „Nein“ beantworteter Punkt bedeutet nicht zwangsläufig, dass sofort neue Software eingeführt werden muss. Er zeigt lediglich, dass eine Voraussetzung nicht erfüllt ist oder notwendige Informationen beziehungsweise eine nachvollziehbare Dokumentation fehlen.

Ziele und Geschäftsprozesse prüfen

Bevor Unternehmen einzelne Abläufe digitalisieren, sollten sie klären, welches konkrete Problem gelöst werden soll. Ein neuer digitaler Prozess ist nicht automatisch besser als der bisherige. Entscheidend ist, ob sich beispielsweise Bearbeitungszeiten verkürzen, Fehler vermeiden oder Informationen zuverlässiger bereitstellen lassen.

Welche Ziele sollen erreicht werden?

Formulieren Sie Digitalisierungsziele möglichst anhand beobachtbarer Probleme. Aussagen wie „Wir möchten moderner arbeiten“ sind für eine Bestandsaufnahme zu ungenau. Aussagekräftiger ist beispielsweise, dass Aufträge mehrfach erfasst werden müssen oder Freigaben regelmäßig liegen bleiben.

Halten Sie für jedes untersuchte Handlungsfeld fest, welcher Ablauf betroffen ist, welche Schwierigkeit im Arbeitsalltag entsteht und woran eine Verbesserung später erkennbar wäre. So lassen sich Ziele dokumentieren, ohne bereits eine bestimmte Software oder technische Lösung vorzugeben.

Wo entstehen Medienbrüche und manuelle Arbeit?

Betrachten Sie anschließend ausgewählte Geschäftsprozesse vom Auslöser bis zum Ergebnis. Besonders aufschlussreich sind die Übergänge zwischen Abteilungen und Anwendungen. Dort zeigt sich häufig, dass Informationen per E-Mail weitergeleitet, aus Tabellen kopiert oder erneut in ein anderes System eingegeben werden.

Ein Beispiel ist die Auftragsbearbeitung: Eine Bestellung geht digital ein, wird aber anschließend manuell in der Warenwirtschaft erfasst. Die Bestandsaufnahme sollte in diesem Fall dokumentieren, welche Informationen übertragen werden, wer den Arbeitsschritt ausführt und welche Probleme dabei auftreten. Ob später eine Schnittstelle, eine Prozessanpassung oder eine andere Lösung sinnvoll ist, bleibt zunächst offen.

Für die Checkliste sind vor allem folgende Beobachtungen relevant:

  • Mehrfache Datenerfassung: Dieselben Informationen werden an verschiedenen Stellen eingegeben oder gepflegt.

  • Manuelle Übergaben: Dokumente, Statusmeldungen oder Auftragsdaten werden zwischen Personen und Systemen weitergereicht.

  • Unklare Prozessschritte: Mitarbeitende wissen nicht immer, wer einen Vorgang als Nächstes bearbeitet.

  • Wiederkehrende Verzögerungen: Aufgaben bleiben liegen, weil Informationen fehlen oder Rückfragen notwendig sind.

Notieren Sie diese Auffälligkeiten zusammen mit dem betroffenen Prozess und dem zuständigen Fachbereich. Eine weiterführende Digitalisierung von Geschäftsprozessen kann anschließend helfen, die erkannten Schwachstellen genauer zu untersuchen und geeignete Lösungen zu entwickeln.

Bestehende Systeme und Schnittstellen erfassen

In mittelständischen Unternehmen ist die Softwarelandschaft oft über Jahre gewachsen. ERP-Systeme, Warenwirtschaft, Onlineshops, Buchhaltungsprogramme und weitere Anwendungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Für die Digitalisierungs-Checkliste ist deshalb wichtig, zunächst einen Überblick über die vorhandenen Systeme und ihre Verbindungen zu gewinnen.

Welche Anwendungen werden bereits genutzt?

Erfassen Sie die wichtigsten Anwendungen zusammen mit ihrem Einsatzzweck und dem zuständigen Fachbereich. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur zentrale Unternehmenssoftware, sondern auch kleinere Programme, Tabellen und Werkzeuge, die für wiederkehrende Arbeitsabläufe benötigt werden.

Prüfen Sie außerdem, ob mehrere Anwendungen dieselben Aufgaben übernehmen oder Informationen parallel verwalten. Beispielsweise können Kundendaten sowohl in einem ERP-System als auch in einer separaten Anwendung gepflegt werden. Für die Bestandsaufnahme ist zunächst entscheidend, diese Überschneidungen zu erkennen und festzuhalten, welches System für welche Informationen maßgeblich ist.

Eine einfache Systemübersicht sollte mindestens den Namen der Anwendung, ihren Zweck, die verantwortliche Abteilung und die wichtigsten Daten enthalten. So wird sichtbar, welche Systeme für den Geschäftsbetrieb besonders relevant sind und wo weitere Informationen fehlen.

Wo fehlen Verbindungen zwischen Systemen?

Im nächsten Schritt wird untersucht, wie Informationen zwischen den Anwendungen ausgetauscht werden. Manche Systeme sind bereits über Schnittstellen verbunden, andere nutzen Dateiimporte oder manuelle Übertragungen. Nicht jede fehlende Verbindung ist automatisch ein Problem. Relevant wird sie vor allem dann, wenn dadurch zusätzliche Arbeit, Fehler oder Verzögerungen entstehen.

Dokumentieren Sie für die wichtigsten Datenflüsse, zwischen welchen Anwendungen Informationen übertragen werden, wie der Austausch erfolgt und ob bekannte Schwierigkeiten auftreten. Ein Beispiel ist die Übergabe von Rechnungsinformationen aus dem ERP-System an die Buchhaltungssoftware. Werden Daten dafür regelmäßig exportiert und erneut importiert, sollte dieser Ablauf erfasst werden, ohne bereits eine bestimmte technische Lösung festzulegen.

Bei komplexeren Systemlandschaften kann eine weiterführende Systemintegration helfen, bestehende Verbindungen und technische Abhängigkeiten genauer zu untersuchen. Die Checkliste liefert dafür die erste Übersicht über beteiligte Anwendungen und auffällige Datenübergänge.

Datenqualität und Verantwortlichkeiten bewerten

Eine vorhandene Softwarelandschaft allein sagt noch wenig darüber aus, wie zuverlässig Informationen im Unternehmen genutzt werden können. Wenn Daten unvollständig, veraltet oder widersprüchlich sind, können auch digitalisierte Abläufe fehleranfällig bleiben. Deshalb gehört die Bewertung der Datenqualität ebenso zur Bestandsaufnahme wie die Klärung organisatorischer Zuständigkeiten.

Sind Daten vollständig und aktuell?

Prüfen Sie zunächst ausgewählte Datenbestände, die für wichtige Geschäftsprozesse benötigt werden. Dazu gehören beispielsweise Kunden- und Artikelstammdaten, Preise, Lagerbestände oder Auftragsinformationen. Entscheidend ist, ob die Angaben vollständig vorliegen, regelmäßig aktualisiert werden und in den beteiligten Anwendungen übereinstimmen.

Ein typisches Warnsignal sind unterschiedliche Artikelinformationen in Warenwirtschaft und Onlineshop. Weichen etwa Preise oder Produktbeschreibungen voneinander ab, sollte dokumentiert werden, wo die Unterschiede auftreten und welche Abläufe davon betroffen sind. Die Checkliste dient dabei nicht der vollständigen Datenbereinigung, sondern der Erkennung solcher Auffälligkeiten.

Halten Sie für die untersuchten Daten fest, aus welcher Quelle sie stammen, wo sie verwendet werden und welche bekannten Qualitätsprobleme bestehen. Auf dieser Grundlage lässt sich später beurteilen, ob organisatorische Korrekturen ausreichen oder eine weiterführende Datenintegration untersucht werden sollte.

Wer ist für Prozesse und Daten verantwortlich?

Neben der Datenqualität sollten Unternehmen klären, wer für die Pflege und Freigabe wichtiger Informationen zuständig ist. Gerade bei abteilungsübergreifenden Abläufen bleibt sonst unklar, wer fehlerhafte Angaben korrigiert, Änderungen veranlasst oder offene Fragen entscheidet.

Unterscheiden Sie bei der Bestandsaufnahme zwischen der fachlichen Verantwortung für einen Prozess, der Zuständigkeit für die Datenpflege und der technischen Betreuung einer Anwendung. Diese Aufgaben können bei unterschiedlichen Personen oder Abteilungen liegen. Wichtig ist, dass die jeweiligen Ansprechpartner bekannt sind und ihre Zuständigkeiten nicht widersprüchlich geregelt sind.

Fehlen klare Verantwortlichkeiten, sollte dies als offener Punkt in der Checkliste dokumentiert werden. Dabei genügt es zunächst, den betroffenen Bereich und die ungeklärte Entscheidung festzuhalten. Eine vollständige Neuorganisation von Rollen oder Datenprozessen ist für die erste Bestandsaufnahme nicht erforderlich.

Ressourcen, Risiken und technische Voraussetzungen prüfen

Auch wenn Unternehmen konkrete Schwachstellen erkannt haben, sind nicht alle Voraussetzungen für eine Digitalisierung automatisch erfüllt. Fehlende Kapazitäten, technische Einschränkungen oder ungeklärte Risiken können die spätere Umsetzung erschweren. Die Bestandsaufnahme sollte deshalb auch erfassen, welche Rahmenbedingungen bereits bekannt sind und wo weitere Klärungen notwendig werden.

Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?

Prüfen Sie, welche Mitarbeitenden die betroffenen Prozesse fachlich kennen und wer Informationen zu bestehenden Anwendungen bereitstellen kann. Neben der internen IT sollten auch die zuständigen Fachabteilungen einbezogen werden. Sie können beurteilen, welche Anforderungen im Arbeitsalltag bestehen und welche Aufgaben während eines Digitalisierungsprojekts weiterlaufen müssen.

Erfassen Sie außerdem, ob ein Budgetrahmen bekannt ist und welche zeitlichen Kapazitäten grundsätzlich zur Verfügung stehen. Für die Checkliste sind noch keine detaillierten Kostenberechnungen erforderlich. Es genügt zunächst festzuhalten, welche Ressourcen vorhanden sind und welche Fragen vor einer konkreten Projektplanung geklärt werden müssen.

Welche technischen Abhängigkeiten und Risiken sind bekannt?

Bestehende Anwendungen können technische Grenzen aufweisen, die bei einer späteren Veränderung berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören beispielsweise veraltete Softwareversionen, fehlende Schnittstellen, eingeschränkte Zugriffsrechte oder Abhängigkeiten von externen Dienstleistern. Dokumentieren Sie solche Rahmenbedingungen, ohne bereits eine vollständige technische Bewertung vorzunehmen.

Berücksichtigen Sie auch erkennbare Risiken für den laufenden Betrieb und den Umgang mit sensiblen Informationen. Wenn etwa unklar ist, welche Personen auf bestimmte Daten zugreifen dürfen oder wie geschäftskritische Anwendungen bei einer Umstellung verfügbar bleiben, sollte dies als offener Prüfpunkt erfasst werden.

Die Checkliste ersetzt weder eine Sicherheitsprüfung noch eine rechtliche Bewertung. Sie hilft jedoch, entsprechende Fragen frühzeitig sichtbar zu machen und bei Bedarf an die zuständigen Fachpersonen weiterzugeben.

Wie lassen sich spätere Verbesserungen nachvollziehen?

Bereits bei der Bestandsaufnahme ist es sinnvoll zu prüfen, welche Informationen über die aktuelle Prozessleistung vorliegen. Ohne einen nachvollziehbaren Ausgangszustand lässt sich später nur schwer beurteilen, ob eine Digitalisierungsmaßnahme tatsächlich eine Verbesserung gebracht hat.

Geeignete Messgrößen können beispielsweise die Bearbeitungsdauer eines Vorgangs, die Anzahl manueller Eingaben, wiederkehrende Fehler oder Wartezeiten zwischen Arbeitsschritten sein. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Kennzahlen zu erfassen, sondern solche auszuwählen, die zum untersuchten Problem passen.

Falls noch keine verlässlichen Ausgangswerte vorliegen, dokumentieren Sie diesen Punkt in der Checkliste. Die notwendigen Informationen können dann vor einer späteren Umsetzung gezielt erhoben werden.

Ergebnisse der Checkliste einordnen: Handlungsbedarf und nächste Schritte

Nach der Bestandsaufnahme liegen meist unterschiedliche Ergebnisse vor: Einige Voraussetzungen sind bereits erfüllt, andere nur teilweise geklärt. Zusätzlich können Probleme sichtbar werden, die bisher nicht dokumentiert waren. Damit diese Erkenntnisse nutzbar bleiben, sollten Unternehmen die offenen Punkte zusammenführen und ihren weiteren Klärungsbedarf festhalten.

Offene Punkte nach Handlungsbedarf sortieren

Die Antworten „Ja“, „Teilweise“ und „Nein“ zeigen, inwieweit die abgefragten Sachverhalte bekannt, dokumentiert oder Voraussetzungen erfüllt sind. Sie bewerten weder die Qualität eines Prozesses noch die Dringlichkeit einer späteren Digitalisierungsmaßnahme. Ein fehlender Systemüberblick kann beispielsweise weitere Analysen erfordern, während ein bereits bekannter Fehler im laufenden Prozess kurzfristig geklärt werden muss.

Für die erste Einordnung bietet sich deshalb eine einfache Unterscheidung an:

  • Kurzfristig klären: Offene Fragen oder bekannte Probleme, die laufende Abläufe beeinträchtigen oder weitere Untersuchungen verhindern.

  • Weitere Prüfung vorbereiten: Bereiche, in denen Informationen, Zuständigkeiten oder technische Voraussetzungen noch nicht ausreichend bekannt sind.

  • Für die spätere Bewertung vormerken: Erkannte Verbesserungsmöglichkeiten, deren Nutzen und Umsetzbarkeit noch genauer untersucht werden müssen.

Diese Einteilung ist keine Projektpriorisierung. Sie hilft lediglich dabei, den nächsten Klärungsschritt zu bestimmen. Ob daraus eine konkrete Digitalisierungsmaßnahme entsteht und wann diese umgesetzt werden sollte, muss anschließend gesondert bewertet werden.

Ergebnisse dokumentieren und nächste Schritte festhalten

Führen Sie die offenen Punkte aus der Checkliste in einer gemeinsamen Übersicht zusammen. Halten Sie dabei fest, welcher Prozess oder welches System betroffen ist, welche Information fehlt und wer die weitere Klärung übernimmt. So bleiben die Ergebnisse auch dann nachvollziehbar, wenn mehrere Fachabteilungen beteiligt sind.

Ein dokumentierter Eintrag könnte beispielsweise lauten: „Bei der Rechnungsfreigabe ist nicht eindeutig geregelt, wer bei Abwesenheit die Vertretung übernimmt. Zuständiger Fachbereich: Buchhaltung. Nächster Schritt: Bestehende Freigaberegeln und Vertretungszuständigkeiten klären.“

Ergänzen Sie bei Bedarf einen Termin für die nächste Abstimmung. Wichtig ist, dass jeder offene Punkt eine konkrete Folgeaktivität erhält und nicht lediglich als allgemeiner Digitalisierungswunsch stehen bleibt.

Auf diese Weise entsteht aus der Checkliste eine dokumentierte Grundlage für weitere Gespräche und Untersuchungen. Erst wenn die wesentlichen Fragen geklärt sind, lassen sich mögliche Digitalisierungsprojekte hinsichtlich Nutzen, Aufwand und Abhängigkeiten fundierter vergleichen.

Beispiel: So nutzen Unternehmen die Digitalisierungs-Checkliste

Wie eine Bestandsaufnahme in der Praxis aussehen kann, zeigt das folgende vereinfachte Beispiel eines mittelständischen B2B-Großhändlers. Das Unternehmen erhält Bestellungen per E-Mail, verwaltet Artikel und Lagerbestände in einem ERP-System und nutzt zusätzliche Tabellen für einzelne Arbeitsschritte. Die beteiligten Abteilungen möchten ihre Abläufe verbessern, haben die bestehenden Schwierigkeiten jedoch noch nicht gemeinsam dokumentiert.

Für die erste Bestandsaufnahme bewertet das Unternehmen fünf ausgewählte Prüfbereiche mit „Ja“, „Teilweise“ oder „Nein“. Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie konkrete Feststellungen, der jeweilige Status und daraus abgeleitete nächste Prüfschritte dokumentiert werden können. Dabei geht es nicht darum, bereits eine Softwarelösung festzulegen, sondern vorhandene Informationen und offene Punkte sichtbar zu machen.

Prüfbereich

Feststellung

Status

Handlungsbedarf

Geschäftsprozesse

Bestellungen werden aus E-Mails manuell in das ERP-System übertragen. Der Ablauf ist bekannt, aber nicht vollständig dokumentiert.

Teilweise

Einzelne Bearbeitungsschritte und beteiligte Abteilungen erfassen

Bestehende Systeme

Die zentralen Anwendungen sind bekannt. Eine gemeinsame Übersicht ihrer Aufgaben fehlt.

Teilweise

Systeme, Einsatzzwecke und zuständige Fachbereiche dokumentieren

Datenqualität

Artikelinformationen werden im ERP-System und in separaten Tabellen gepflegt. Ob die Angaben vollständig, aktuell und widerspruchsfrei sind, wurde bisher nicht überprüft.

Nein

Ausgewählte Artikelinformationen und ihre Datenquellen vergleichen

Verantwortlichkeiten

Die Zuständigkeit für die Auftragsbearbeitung ist geklärt. Für die Pflege bestimmter Artikeldaten fehlt eine eindeutige Regelung.

Teilweise

Fachliche Verantwortung für die betroffenen Daten klären

Messgrößen

Bearbeitungszeiten und Korrekturen werden bisher nicht systematisch erfasst.

Nein

Geeignete Ausgangswerte für die Auftragsbearbeitung bestimmen

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle Voraussetzungen für eine fundierte Projektentscheidung geklärt sind. Besonders bei den Artikelinformationen fehlen verlässliche Angaben zur Datenqualität und zur fachlichen Verantwortung. Gleichzeitig ist bereits erkennbar, an welchen Stellen der Auftragsbearbeitung manuelle Arbeit entsteht.

Als nächsten Schritt kann das Unternehmen die offenen Informationen gemeinsam mit Vertrieb, Auftragsbearbeitung und IT vervollständigen. Erst danach sollte untersucht werden, welche organisatorischen oder technischen Veränderungen sinnvoll sind. Die Checkliste liefert somit keine fertige Digitalisierungslösung, sondern eine nachvollziehbare Grundlage für die weitere Bewertung.

Typische Fehler bei der Bestandsaufnahme vermeiden

Eine Digitalisierungs-Checkliste ist nur so aussagekräftig wie die Informationen, auf denen ihre Antworten beruhen. Werden Fragen vorschnell beantwortet oder wichtige Fachbereiche nicht einbezogen, entsteht leicht ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Ausgangssituation. Deshalb sollten Unternehmen bei der Bestandsaufnahme einige typische Fehler vermeiden.

  • Nur die IT-Abteilung befragen: Technische Informationen allein reichen nicht aus. Mitarbeitende aus den Fachbereichen kennen die tatsächlichen Abläufe, Ausnahmen und Schwierigkeiten im Arbeitsalltag.

  • Annahmen als gesicherte Fakten behandeln: Wenn beispielsweise unklar ist, ob Daten regelmäßig aktualisiert werden, sollte die Antwort „Teilweise“ oder „Nein“ lauten, bis die Angaben überprüft wurden.

  • Probleme und Lösungen vermischen: Die Feststellung, dass Informationen manuell übertragen werden, bedeutet noch nicht, dass eine neue Software erforderlich ist. Zunächst sollte die Ursache verstanden werden.

  • Unterschiedliche Bewertungen nicht dokumentieren: Wenn zwei Abteilungen denselben Prozess unterschiedlich einschätzen, ist dies ein Hinweis auf weiteren Klärungsbedarf und kein Grund, eine der Perspektiven zu ignorieren.

  • Offene Punkte ohne Zuständigkeit belassen: Erkenntnisse verlieren ihren Nutzen, wenn nicht festgehalten wird, wer fehlende Informationen beschafft oder die nächste Prüfung koordiniert.

Ebenso wichtig ist es, die Bestandsaufnahme nicht als einmalige Momentaufnahme für alle kommenden Entscheidungen zu betrachten. Wenn sich Prozesse, Anwendungen oder Zuständigkeiten wesentlich verändern, sollten die betroffenen Angaben aktualisiert werden. So bleibt die Checkliste eine verlässliche Grundlage für weitere Untersuchungen.

Was nach der Digitalisierungs-Checkliste folgt

Mit der abgeschlossenen Bestandsaufnahme verfügen Unternehmen über einen besseren Überblick zu bestehenden Prozessen, Anwendungen und offenen Fragen. Daraus ergibt sich jedoch nicht automatisch, welche Software eingeführt oder welcher Ablauf verändert werden sollte. Zunächst müssen die dokumentierten Erkenntnisse fachlich und technisch eingeordnet werden.

Je nach Ausgangssituation können unterschiedliche nächste Schritte sinnvoll sein. Manchmal reichen klarere Zuständigkeiten oder angepasste Arbeitsabläufe aus. In anderen Fällen sind bestehende Anwendungen genauer zu untersuchen, Datenflüsse zu verbessern oder wiederkehrende manuelle Tätigkeiten technisch zu unterstützen.

Zeigt die Checkliste beispielsweise, dass gleichartige Aufgaben regelmäßig manuell ausgeführt werden, kann eine weiterführende Prozessautomatisierung infrage kommen. Ob sich ein Ablauf dafür eignet, hängt unter anderem von seinen Regeln, Ausnahmen und technischen Voraussetzungen ab. Nicht jeder manuelle Arbeitsschritt sollte automatisch automatisiert werden.

Wenn mehrere Unternehmensbereiche betroffen sind oder technische und organisatorische Fragen zusammenkommen, ist eine übergreifende Betrachtung sinnvoll. Im Rahmen der Digitalisierung im Mittelstand unterstützt maexware Unternehmen dabei, bestehende Prozesse und Systeme zu analysieren und passende Digitalisierungslösungen zu entwickeln.

Die Ergebnisse der Checkliste können als Ausgangspunkt für ein erstes Fachgespräch dienen. Sie machen nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten bereits bekannt sind, welche Informationen noch fehlen und welche Bereiche genauer untersucht werden sollten.

FAQ zur Digitalisierungs-Checkliste

Wo sollten mittelständische Unternehmen mit der Digitalisierung beginnen?

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Geschäftsprozesse, Anwendungen und Datenquellen. Unternehmen sollten dokumentieren, wo manuelle Arbeit, Fehler oder fehlende Informationen auftreten. Erst danach lässt sich fundierter beurteilen, welche Bereiche genauer untersucht werden müssen.

Welche Bereiche sollte eine Digitalisierungs-Checkliste abdecken?

Eine Digitalisierungs-Checkliste sollte Unternehmensziele, Geschäftsprozesse, manuelle Arbeitsschritte, bestehende Software, Schnittstellen und Datenqualität berücksichtigen. Ebenso wichtig sind Verantwortlichkeiten, verfügbare Ressourcen, technische Voraussetzungen, Risiken und geeignete Messgrößen.

Wie lange dauert eine erste Bestandsaufnahme?

Das hängt von der Unternehmensgröße, der Anzahl beteiligter Abteilungen und der vorhandenen Dokumentation ab. Einzelne Prozesse lassen sich oft in wenigen Gesprächen erfassen. Bei komplexeren Systemlandschaften oder ungeklärten Zuständigkeiten kann die Bestandsaufnahme mehr Zeit erfordern. Entscheidend ist, offene Fragen sichtbar zu machen, statt vorschnell Vollständigkeit anzunehmen.

Muss jede offene Frage sofort zu einem Digitalisierungsprojekt führen?

Nein. Ein offener Punkt zeigt zunächst, dass Informationen fehlen oder ein Sachverhalt genauer untersucht werden sollte. Manche Probleme lassen sich bereits durch klarere Zuständigkeiten, bessere Dokumentation oder angepasste Abläufe beheben. Ob ein eigenständiges Digitalisierungsprojekt erforderlich ist, ergibt sich erst aus der weiteren Bewertung.

Wie oft sollte die Digitalisierungs-Checkliste aktualisiert werden?

Die Checkliste sollte aktualisiert werden, wenn sich wichtige Prozesse, Anwendungen, Datenquellen oder Verantwortlichkeiten verändern. Auch vor neuen Digitalisierungsprojekten ist eine erneute Prüfung sinnvoll. Für längerfristige Vorhaben empfiehlt es sich, die dokumentierten Ergebnisse in regelmäßigen Abständen auf ihre Aktualität zu kontrollieren.

Fazit: Erst prüfen, dann gezielt digitalisieren

Eine erfolgreiche Digitalisierung beginnt nicht mit der Auswahl neuer Software, sondern mit einem klaren Verständnis der bestehenden Abläufe und Herausforderungen. Die Digitalisierungs-Checkliste hilft mittelständischen Unternehmen, ihre Ausgangssituation systematisch zu erfassen und offene Fragen sichtbar zu machen.

Wer die Ergebnisse sorgfältig dokumentiert und offene Fragen klärt, schafft eine fundierte Grundlage für weitere Entscheidungen. So lassen sich Digitalisierungsvorhaben gezielter vorbereiten und unnötige Veränderungen vermeiden.

Digitalisierung im Unternehmen gezielt vorbereiten

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